Hashimoto und Ich

“Die Krankheit ist nur in deinem Kopf und du bist eigentlich nur zu faul!”

Ich hab das so oft gehört, bevor ich mit Hashimoto diagnostiziert wurde und habe das auch oft über mich selbst gedacht.
Erst vor Kurzem habe ich wirklich verstanden, warum.

Das hier ist meine Geschichte und wie es dazu kam, dass ich an Hashimoto erkrankte.

Ich leide seit ungefähr 18 Jahren unter Hashimoto.
Du wirst dich sicher fragen, warum ich das hier mache.
Ich möchte anderen helfen, die dieselben Erfahrungen gemacht haben, oder ähnliche.

Ich möchte dir und anderen wieder Hoffnung machen, möchte dir einen Ansatz zur Selbsthilfe bieten, wenn du nicht weißt, wie. Insbesondere wenn du kaum Hoffnung für dich selbst siehst.

Denn das ist eigentlich das größte Problem.

Beim Arzt wird einem häufig erzählt „Sie haben Hashimoto und Sie müssen Ihr Leben lang Tabletten nehmen!“ Schon irgendwie demotivierend, oder?

Ich möchte gerne den Funken Hoffnung wieder in dir erwecken und hoffentlich meine Erfolgsgeschichte aufzeichnen.
Ich finde, dass es davon zu wenig gibt.
Zumindest im deutschsprachigen Raum.
Im englischsprachigen Raum findet man schon relativ viel, aber deutsche Berichte sind sehr mau. Höchstens von Menschen, bei denen Hashimoto frühzeitig erkannt wurde und die so gut wie keine Medikamente oder sogar gar keine nehmen müssen.

Diejenigen, die schon lange Zeit darunter leiden, haben kaum erfahrene Ansprechpartner, die für sich selbst einen heilsamen Weg gefunden haben. Und ich will auch nicht erst als jemand, der schon erfolgreich war, das alles mit dir teilen. Ich will genau dokumentieren, was erfolgreich war, was schwierig war, was gar nichts gebracht hat und was gar nicht geholfen hat.

Und ich möchte, dass du ein Teil davon bist.

Ich persönlich kann nicht viel damit anfangen, wenn jemand schon schlank ist, eine erfolgreiche Diät gemacht hat, kurz darüber berichtet was eventuell schwierig war und dann wieder lächelnd über ihre momentane Situation redet.
Ich weiss ja nicht, wie dir es da geht, aber ich finde es nicht nur interessant, sondern auch wichtig, damit andere dies ebenso übernehmen können, wenn sie denn möchten.

Wie alles begann… und warum eine Diät keinen Sinn machte

Meine Kindheit bestand darin, dass ich glaubte, ich wäre zu moppelig.
Ich hab schon auf der „Über Mich“ Seite ein paar Fotos gepostet und bin etwas auf meine Kindheit eingegangen, aber ich möchte hier noch einmal näher auf meine Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter eingehen.

Das ich ein bisschen zu viel auf den Rippen hätte, hab ich von meiner erweiterten Familie erzählt bekommen. Also nicht direkt von meinen Eltern.

Ich bin die mit der Latzhose!

Wie man auf dem Foto sehen kann, kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, dass ich das einmal geglaubt habe und man das einmal über mich gesagt hat.

Das hat sich bei mir tief eingegraben und es war lange Zeit für mich schwierig, damit umzugehen.


Das mit dem moppeligen blieb bis in meine Jugend so.

Ich denke auch, dass da auch ein großer Teil Veranlagung dazu beiträgt.
Ich weiss meine Mutter zum Beispiel hat damals einen Test machen lassen, als ich ein Kleinkind war, ob ich eine Schilddrüsenunterfunktion habe, aber es konnte nichts auffälliges gefunden werden.
Was auch meine normale Entwicklung als Kind erklärt.

Als Jugendliche habe ich viel Sport gemacht, ich bin viel gereist und war immer unterwegs.
Die ersten Probleme fingen an, als ich 13 wurde.
Da hatte ich zum ersten Mal meine Periode und meine Frauenärztin, bei der ich damals war, war der Meinung, dass ich unbedingt die Pille nehmen müsste.
Auf nachfragen meinerseits meinte sie nur „Das ist besser für dich.“
Und ich frage mich heutzutage noch, was sie damit meinte!

Das war eben so! (sag ich mir heutzutage)

Erst Jahre später hatte ich einen Freund, mit dem ich intim wurde.
Und als ich natürlich die Pille nahm, nahm ich auch automatisch zu. Besonders an den Hüften und den Beinen.
Ich erinnere mich da sehr genau dran! Ich habe das ständig hören müssen, dass ich zugenommen hätte. Aber ich hab nicht mehr Schokolade gegessen, war plötzlich inaktiv oder habe insgesamt mehr gegessen.

Ich war eigentlich nur noch aktiver, unternahm noch mehr je älter ich wurde und erst Jahre später kam es dann zum Supergau.

Auch in der Schule gab es eine Krankenschwester bei der General-Untersuchung, die zu mir meinte, dass ich leicht Übergewichtig sei und ob ich deswegen gehänselt werden würde in der Schule. Das war so in der 7. Oder 8. Klasse und ich verneinte. Ich war bis dahin nie wegen meines Gewichts gehänselt worden.
Sie meinte dann zu mir, dass ich meiner Mutter mitteilen möge, diese solle jede Mahlzeit mit Jodsalz würzen.

Was anscheinend mitunter fatal für mich war über die Jahre hinweg.

Denn es wurde mehr und mehr Jodsalz in jedwede Nahrung hinzugegeben, auch in Fertignahrung.
Mittlerweile ist nicht mehr überall Jodsalz drin, aber ich glaube meine Mutter salzt heute noch mit Jodsalz!

Mit 16 oder 17 habe ich dann mit dem extremen Sport aufgehört.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Jazztanz und ein wenig Ballet betrieben, ging reiten, schwimmen und bin unglaublich viel Fahrrad gefahren.
Aber dann waren andere Dinge interessanter.
Insbesondere Nachtclubs und in der Gothicszene der 90er abzuhängen.

Mit 17 ½ Jahren bekam ich zum ersten Mal eine Depression. Ich litt unter extremen Stress, aufgrund des nahenden Abiturs und das hat dann zusätzlich zu Hashimoto noch die Depression begünstigt.

Ich bin dann umgezogen und habe meine Ernährung umgestellt.

Fast ein Jahr lang war ich Veganerin, aber nach dem Jahr bin ich wieder zurück zu meiner Familie gezogen und habe wieder auf normale Ernährung umgestellt.
Ich war wieder am Anfang, auch in der Schule, bin dann aber nach einem Jahr in das Abiturjahr gegangen und dann plötzlich stand das Abi so nahe, dass ich Panik bekommen habe und es ging einfach nichts mehr.

Ich denke das beides, Hashimoto und der immense Stress, sich extrem ungünstig miteinander verbunden haben und dann noch einmal bei mir anstatt einer normalen Depression eine schwere Depression ausgelöst haben.

Und damit musste ich dann erst einmal zurecht kommen.

Ich war drei Monate in einer Klinik (dazu ein ander Mal mehr) und während man in der Klinik nur relevante Bluttests machte, empfand man wohl Schilddrüsenwerte nicht als relevant. Die hat mein Hausarzt dann überprüft und festgestellt, dass ich unter einer schweren Schilddrüsenunterfunktion leide.

Er sagte in etwa zu mir „Es tut mir leid, aber Sie haben eine Schilddrüsenunterfunktion und ihre Schilddrüse ist verkleinert. Sie werden jetzt ihr Leben lang Tabletten nehmen müssen.“

Da war ich dann erst einmal in Schockstarre.

Ich hatte ziemliche Angst.

Er hat nichts weiter gesagt und ich traute mich nicht zu fragen, da ich ja auch noch depressiv war.
Ich bin dann nach Hause gegangen und hab zu mir selbst gesagt „Nö, mach ich nicht.“
So ganz naiv und gutgläubig dachte ich, dass geht von alleine wieder weg oder wird schon nicht so schlimm sein.

Er hat mir ja auch nicht die Konsequenzen erklärt.
Hätte ich die damals gewusst, ich hätte auf jeden Fall anders gehandelt. Was dann passierte war, dass ich nichts gemacht habe.

Und es ging immer weiter bergab.
Mein Stoffwechsel verlangsamte sich immer mehr und ich konnte gar nichts mehr machen.
Ich war ständig erschöpft und durch die Depression und einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTSD) war meine Nebenniere dauererschöpft.

Ich hab unter ständigem Stress gelitten und als ich erst gemerkt habe, dass ich nicht mehr so weitermachen kann, habe ich die Medikamente genommen. Das hat mir bewusst gemacht, dass ich zwar auf Ärzte hören sollte, aber auch sie „zu verhören“ in dem Sinne, dass man sie hinterfragt und ausquetscht wenn einem etwas nicht klar ist.

Heutzutage weiß man in etwa wie schlimm eine Depression ist und es ist auch wesentlich anerkannter als früher.

Ich habe nicht nur eine, sondern mehrere Depression hinter mir.

Im nächsten Artikel und Video werde ich näher auf meine Erfahrungen mit Depressionen eingehen.

Ich hoffe, dass ich meine Geschichte dir ein wenig zeigen konnte, dass du nicht die Einzige bist, die solche Probleme hatte.

Alles liebe,
Nara Elling

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